„Meine Damen, meine Herren,
wenn Sie ein gefühlvolles, herzwarmes Stück erwarten, dann sind Sie hier falsch.
Denn wir werden Ihnen heute die Wirklichkeit zeigen – die nackte, harte Wirklichkeit.
Schauen Sie nicht hin, sondern glotzen Sie.
Wenn Sie sich dabei erwischen, mitzufühlen: schön.
Wenn Sie sich beim Denken erwischen: noch schöner.“

— Bertolt Brecht (gespielt von Marc Köntopp)

Mit diesen Worten eröffnete der Theaterkurs der Jahrgangsstufe 12 am Mittwoch, dem 15. April 2026, seine Inszenierung der „Dreigroschenoper“ nach Bertolt Brecht. Um 18:30 Uhr verwandelte sich die Aula unserer Schule in eine stimmungsvolle Bühne für einen gelungenen Theaterabend.

Den Schülerinnen und Schülern gelang es, Brechts Werk mit großer Spielfreude, Ausdrucksstärke und einem feinen Gespür für dessen gesellschaftskritische Themen auf die Bühne zu bringen. Besonders überzeugend waren die facettenreichen Darstellungen der einzelnen Charaktere sowie das Zusammenspiel des gesamten Ensembles.

Auch zentrale Elemente des epischen Theaters wurden unverkennbar umgesetzt: Durch direkte Publikumsansprachen, Kommentare Brechts, eingeblendete Szenentitel sowie bewusst sichtbare Bühnenwechsel entstand der für Brecht typische Verfremdungseffekt.

Für besondere Höhepunkte sorgten die musikalischen Einlagen, die mit großem Engagement präsentiert wurden. Macheath eröffnete den Abend mit der Moritat von Mackie Messer, Polly begeisterte mit „Seeräuberjenny“ sowie dem „Barbarasong“, während Tigerbrown und Macheath gemeinsam den „Kanonensong“ kraftvoll darboten. Auch Mr. Peachum und Filch überzeugten mit ihrer humorvollen Interpretation des „Lieds von der Unzulänglichkeit menschlichen Strebens“.

Den emotionalen Abschluss bildete eine bewegende Schlussszene: Macheath, kurz vor seiner Hinrichtung mit dem Strick um den Hals, sang gemeinsam mit Polly das Liebeslied „Siehst du den Mond über Soho?“. Dadurch verlieh das Ensemble der Inszenierung ein eigenes, bewusst offengehaltenes Ende.

Das minimalistische Bühnenbild, die unterstützende Projektion der Spielorte im Hintergrund sowie die charakterisierenden Kostüme trugen wesentlich dazu bei, die besondere Atmosphäre des Stücks lebendig werden zu lassen.

Das Publikum honorierte die Leistung des Theaterkurses mit lang anhaltendem Applaus und durchweg positiver Resonanz.

Ein besonderer Dank gilt neben dem Theaterkurs der Jahrgangsstufe 12 insbesondere Elias Thurow (Praktikant und Student an der HMT), der zahlreiche Lieder am Klavier begleitete. Hervorzuheben ist außerdem das Engagement von Fiete Krüger (10m2) aus dem Technikteam, unterstützt von Herrn Benterbusch – ohne deren Einsatz die Aufführung wohl buchstäblich im Dunkeln stattgefunden hätte.

Text: S. Stritz (Kursleiterin des Theaterkurses 12)

Bilder: U. Janotte